Ende 2025 habe ich auf meinem privaten Blog erstmals öffentlich über Grannus geschrieben. Damals war es ein Prototyp mit ein paar Demos und vielen Notizen. Ein paar Monate später läuft die Plattform produktiv – und es wird Zeit, sie hier auf grannus.ch offiziell vorzustellen.

Kurz zu mir: Ich bin Tobias, seit mehr als 16 Jahren in der Feuerwehr Urdorf (davon über 10 Jahre im Stab), dort als Offizier mitverantwortlich für Übungen. Hauptberuflich arbeite ich in der IT. Aus dieser Kombination ist Grannus entstanden – aus dem ganz konkreten Frust, den jede Übungsleiterin und jeder Übungsleiter kennt: Word-Dokumente per E-Mail hin- und herschicken, Dateinamen wie "Übungsvorbereitung_Absturzsicherung_Zug2_19_5_25_v2.docx", Rückmeldungen, die irgendwo zwischen Mail-Verteiler und Cloud-Ordner verloren gehen. Ein System, das niemandem Freude macht.

Den Namen habe ich aus der keltischen Mythologie geliehen: Grannus ist der Gott des Feuers, der Heilung und der Sonne. Passt für mich gut – inhaltlich und vom Klang her.

Was Grannus heute kann, lässt sich in drei Worte packen: Planung, Wissen, Austausch.

Die Planung einer Übung passiert nicht mehr in Word, sondern direkt in der modernen Webapplikation – mit allem, was dazugehört: Lernzielen, Posten, Material, Fahrzeugen, Karten-Markierung und einem Genehmigungs-Workflow vom Entwurf bis zur Freigabe. Wer kennt es nicht: drei Versionen einer Übung im Umlauf, und am Übungsabend weiss niemand so genau, welche denn nun gilt. Dieses Problem gibt es in Grannus nicht mehr.

Das Wissen, das in einer Übung steckt – Reglemente, Einsatzgrundsätze, Merkblätter, kleine Praxistricks – wandert nicht mehr nur in einzelne Köpfe oder verteilte Ordner, sondern in eine zentrale Wissensdatenbank. Volltextsuche inklusive Anhänge, verknüpft mit den Übungen und Posten, in denen das Wissen tatsächlich gebraucht wird.

Und der Austausch ist von Anfang an mitgedacht. Es kann nicht sein, dass jede Feuerwehr in der Schweiz die gleiche Atemschutzübung hunderte Male neu erfindet. Grannus soll dafür die Plattform werden – freiwillig, ohne Zwang, aber mit der Möglichkeit, voneinander zu lernen.

Wo stelle ich mir Grannus in ein paar Jahren vor?

Übungsplanung auf eine moderne Basis bringen, den Austausch unter Feuerwehren fördern und moderne Hilfsmittel wie KI einsetzen – immer unter Berücksichtigung aktueller Reglemente, Merkblätter und Hilfsmittel.

Der KI-Teil ist mir wichtig. Ich nutze KI selbst täglich beim Programmieren und sehe, wie viel sie abnehmen kann, wenn man sie richtig einsetzt. Übersetzt aufs Übungswesen heisst das für mich: KI als Hilfsmittel für die Übungsleitung – um Lernziele zu schärfen, passende Posten vorzuschlagen, Wissensquellen zu verknüpfen, Entwürfe gegen aktuelle Reglemente zu prüfen. Niemals als Ersatz für die fachliche Verantwortung, die bei der Übungsleitung bleibt.

Genauso wichtig ist der Anschluss an die Schweizer Feuerwehrwelt. Reglemente, Merkblätter und Hilfsmittel der Verbände sollen so eingebunden sein, dass Planung und Realität zusammenpassen – und nicht nebeneinander herlaufen.

Aktuell entwickle ich Grannus zusammen mit der Feuerwehr Urdorf – mir realen Übungen und echten Rückmeldungen. Das hält das Produkt nah an der Praxis und weit weg von theoretischer Planung. In den nächsten Monaten möchte ich Grannus bei weiteren Feuerwehren einführen, um noch mehr Erfahrungen sammeln zu können.

Wer Lust hat, früh dabei zu sein: Meldet euch. Ich freue mich auf jede Feuerwehr, die mithelfen will, das Übungswesen ein Stück weit ins 21. Jahrhundert zu bringen.